Neusprech in der FDP? – Warum ein Namenswechsel gefährlich ist

Aus Raider wird Twix – sonst ändert sich nix. Die erfolgreichste Namensänderung der vergangenen Jahre fand Anfang der 90er im Süßwarenregal statt. Was bei Schokoriegeln funktioniert, das müsste doch auch bei der FDP klappen. Denkt sich zumindest Vizeparteichefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und schlägt eine Namensänderung vor. Nur die Regeln, die am Snackautomaten gelten, die lassen sich nicht einfach auf die Politik übertragen. Was bei Raider erfolgreich war, könnte der FDP endgültig das Genick brechen.

Von Friedbert Baer

Die FDP habe ein Problem mit ihrer Marke, heißt es. Aber hilft ein neuer Name wirklich oder verschlimmert er nur das Problem?

Die FDP habe ein Problem mit ihrer Marke, heißt es. Aber hilft ein neuer Name wirklich oder verschlimmert er nur das Problem? “DIE WELT” hat sich schon mal Gedanken gemacht, wie ein neues Logo aussehen könnte. Bild-Copyright: DIE WELT

Ein großes Problem hätten die Liberalen mit der FDP als Marke, so begründet Strack-Zimmermann ihren Vorschlag. Die Partei würde nicht optimal wahrgenommen werden. Deshalb habe sie im Parteivorstand die Idee einer Namensänderung “in den Raum gestellt”, so wird die Vizeparteichefin in der Rheinischen Post zitiert.

Nur hilft ein neuer Name wirklich? Oder schadet so eine Aktion am Ende der Partei?

Die zentrale Frage ist doch: Warum wird die FDP derzeit von so wenigen Menschen gewählt? Doch nicht, weil sie einen hässlichen Namen hätte. Wenn sie “Die Gurkentruppe” heißen würde. Oder “Die Wildsäue” – dann gebe es vielleicht Grund für die Debatte.

Aber mit dem Namen “FDP” haben die Liberalen auch ihre großen Wahlerfolge eingefahren – mal fast 15 Prozent der Wähler überzeugt. Es ist längst keine neue Erkenntnis mehr, dass es der FDP in letzter Zeit an Glaubwürdigkeit gemangelt hat. Dass relevante Inhalte und Positionen gefehlt haben, bei denen der Partei zugetraut wird, dass sie sie auch umsetzt.

Etikettenschwindel

Noch hat sich daran nicht grundlegend etwas geändert. Das Vertrauen in die FDP wächst nur langsam wieder. Eine Namensänderung würde jetzt wie ein Etikettenschwindel wirken. “Wir nehmen euch nicht ernst”, würde die FDP damit ihren potenziellen Wählern zurufen. “Mag sein, dass ihr eigentlich klarere Inhalte und eine deutlichere Positionierung haben wollt, aber schaut mal: Wir haben jetzt einen schicken neuen Namen.”

Das ist das Gegenteil von Glaubwürdigkeit. Kein Wähler, schon gar kein liberaler Wähler ist doch so blöd und lässt sich von einem bloßen Namenswechsel blenden.

Freibier-für-alle-Partei

“Nein, die FDP wähle ich nicht, Aber wenn sie “Freibier-für-alle-Partei” heißen würde, dann würde ich das machen” – glaubt wirklich jemand, dass es Wähler gibt, die so denken?

George Orwell beschreibt in seinem Roman “1984” wie in einem totalitären System manche Dinge umbenannt werden, damit sie besser in die Propaganda passen. Einige Wörter bekommen auch einfach eine neue Bedeutung. Neusprech heißt das. Und es ist ein Manipulationsinstrument.

Ja, Menschen lassen sich manipulieren. Und die Werbung versucht das auch – hin und wieder gelingt das sogar. Raider bestellt heute kaum noch jemand – das heißt schließlich jetzt Twix. Nur in der Politik geht es nicht um Manipulation, nicht um schicke Namen und glänzende Verpackungen, sondern um Inhalte. Im übrigen hat es der FDP an pfiffigen Marketingideen nach meinem Eindruck bisher auch nicht wirklich gemangelt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass liberale Ideen und freiheitliche Grundsätze von etlichen Menschen sehr geschätzt werden. Viele Menschen wünschen sich eine liberale Partei, die diese Grundsätze offensiv und selbstbewusst vertritt.

“Denkverbote gibt es nicht”

Die Aufgabe der FDP wäre es, deutlich zu machen, dass sie das tun wird. Dass sie einstehen wird für Bürgerrechte und Datenschutz, für Bildungs- und Aufstiegschancen unabhängig von Herkunft und Einkommen, für fairen Wettbewerb, für gleiche Rechte für alle – egal welches Geschlecht, welche Hautfarbe, welche sexuelle Orientierung jemand hat.

Wenn die FDP wieder glaubwürdig dafür steht und sich freimacht von Abhängigkeiten – egal ob das Koalitionspartner oder Interessensverbände sind – dann kehren die Wähler auch zurück. Und dann kann die FDP auch heißen, wie sie will. Wenn Frau Strack-Zimmermann sie gerne umbenennen will, soll sie das tun, wenn die Inhalte wieder stimmen. Dann wird die liberale Partei gewählt, egal wie sie heißt.

“Denkverbote gibt es nicht”, so hat Christian Lindner auf den Umbenennungs-Vorschlag reagiert. Eine sehr gute, liberale Reaktion. Denken sollte man nicht verbieten – man kann es ja auch nicht.

“Ich bin doch nicht blöd”

Das gilt aber auch für den Wähler. Ich fürchte, er würde sich ohnehin seinen Teil denken, wenn die FDP ihr Problem einfach mit einem neuen Namen lösen will.  Und ich fürchte der Wähler reagiert dann mit einem anderen berühmten Werbeslogan: “Ich bin doch nicht blöd.”

Kleiner Nachsatz: In der Diskussion wird hin und wieder auch auf eine andere berühmte Namensänderung verwiesen: Die SED hat nach dem Ende der DDR einen wahren Umbenennungsrekord aufgestellt: Von SED zu PDS zu Linkspartei zu DIE LINKE. Da habe das doch auch ganz gut geklappt, heißt es. Mag sein. Aber: Die SED war eine totalitäre Partei, die Wurzeln sind heute noch erkennbar. Neusprech ist ein totalitäres Instrument – bei einer Partei wie der SED gehört das möglicherweise zum politischen Werkzeugkasten dazu. Einer liberalen Partei steht das aber ganz und gar nicht,

 

 

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